Cloud Computing – das Netz entwickelt sich weiter
Die CeBit 2009 ist seit einer Woche vorbei. Was waren die Trends in diesem Jahr? Security und vor allem Cloud Computing. Doch ist das Netz nicht schon immer eine Cloud (Wolke)? Wenn ich ein Web-Server im Netz habe, ist dieser irgendwo im Netz. Dem User ist es doch egal, wo er steht. Die Hauptsache ist, dass er erreichbar ist. Immer, zu jeder Zeit und auch wenn Netzsegmente zwischen dem User und dem Server unterbrochen sind.
Warum wird dieser Begriff jetzt so stark gehyped? Und was ist hier wirklich neu? Die Idee ist eigentlich ganz einleuchtend. Wenn eine Anwendung mehr Ressourcen benötigt, dann wird Kapazität von anderen Rechnern hinzugebucht. Aber auch jetzt oder in der Vergangenheit gibt und gab es diese Technik schon. Z.B. auf einem Cluster. Hier werden mehrere Server zu einem System zusammen gebunden. Fällt ein Knoten/Server eines Clusters aus, erkennt die Cluster-Software den Fehler und fährt die auf diesem Server betriebenen Anwendungen auf enem anderen Knoten des Clusters hoch und sorgt dafür, dass die Anwendung nun auf dem anderen Knoten durch den User erreichbar ist. In der Regel geschieht dies so schnell, dass der User dies nicht bemerkt. Wenn eine Anwendung nun mehrere Ressourcen benötigt und diese auf dem aktuellen Knoten nicht bereitgestellt werden kann. Kann diese auf einen anderen Knoten verschoben werden, auf der mehr Ressourcen vorhanden sind. Oder eine andere Anwendung auf dem betroffenen Konten wird auf einen anderen Konten verschoben, um der Ressourcen-hingrigen Anwendung mehr Rechenkapazitäten oder Speicher zuzuteilen.
Theoretisch kann ein Cluster auch über mehrere Standorte aufgebaut werden; wobei hier natürlich noch ein paar andere Komponenten hinzukommen, um eine Umstellung von einem zu einem anderen Standort vornehmen zu können. Aber die Idee ist die gleiche. Getreu der alten Werbung der Firma Bosch kann hier also gesagt werden “gib´t schon”.
Das neue daran ist jetzt, dass die Technik soweit ausgereift ist, dass hier Geschäftsmodelle entstehen können. Auf dem Markt kommen die ersten Firmen, die ihre bestehenden Überkapazitäten an Rechenleitung an Kunden abgeben können. Zwei namhafte Firmen sind hier Amazon und Google. Zusätzlich haben diese Firmen eigenen Anwendungen entwicklet, um die bereitgestellten Ressourcen vernüpftig nutzen zu können. Über APIs und Schnittstellen werden bereitgestellt, um Datenbanken, File-Systeme usw. anzusprechen. Im weitesten Sinn können natürlich auch die WebDienste von Microsoft, Apple und Google hier wieder hinzugezählt werden; obwohl es hier um eingeschränkte Workgroup-Services geht. Bei den Diensten von Amazon und Google kann der Kunde eigene Anwendungen erstellen, die dann auf den Systemen des Anbieters laufen.
Aus meiner Sicht ist das Cloud Computing also nur eine konsequente Weiterentwicklung. Kommend von der Client-Server-Architektur und weiter über die Virtualisierung der Hardware im Unternehmensbereich zum Cloud Computing im globalen Netz. Die Ideen die hinter allen drei Entwicklungen steht ist immer gleich. Die bereitgestellt Hardware des Anbieters optimal auszunutzen und eine möglichst hohe Verfügbarkeit dem Kunden bereitzustellen.
Es gibt natürlich auch Dinge, die derzeit noch nicht optimal gelöst sind. Zwei Dinge sollen hier stellvertretend genannt werden.
- Die Sicherheit: Wenn mehere Anwendungen von verschiedenen Kunden auf einem System laufen, müssen diese gegeneinander abgeschottet werden. Dies gilt sowohl für die Datensicherheit als auch für die Robustheit der Anwendungen. Wenn die Anwendung des Kunden A ein Problem hat, darf die Anwendung von Kunden B nicht darunter leiden. Im Punkt der Datensicherheit darf der Kunde A nicht auf die Daten vom Kunden B zugreifen und umgekehr. Da die Daten vom Kunden A und B im Netz liegen, müssen diese auch gegenüber Dritten, z.B. Angriffen aus dem Netz, geschützt sein.
- Die Performance: Wenn ein Teil einer Anwendung auf ein Cloud System ausgelagert wird, dann werden verschiedene Daten von verschiedenen Servern geladen. Hierfür müssen TCP-Verbindungen aufgebaut und Daten nachgeladen werden. Sehr schön kann diese Verzögerung beim MicroBlogger Twitter beobachtet werden. Hat hier ein User ein großes Hintergrundbild eingestellt, dann wird dies von den Servern von Amazon geholt (Amason Web Service). Da die Hintergrundbilder der User meist nicht auf das Gewicht optimiert werden, läßt sich die Verzögerung im Bereich der Datenübertragung von den verschiedenen Quellen sehr gut beobachten.
Insgesamt finde ich diese Weiterentwicklung des Netzes hoch interessant. Wie könnte ein Szenario für eine IT-Landschaft in der Zukunft aussehen? Sämtliche zentrale IT-Dienste werden nicht mehr durch die interne IT-Abteilung sondern durch eine Dienstleister wahrgenommen. Die Services laufen im Rechenzentrum des Anbieters und die Angestellten des Unternehmens greifen über gesicherte Verbindungen auf diese Services zu. Für die Angestellten ist es somit egal, wo sie sich gerade aufhalten. Im Büro, im Home-Office, beim Kunden oder im Kaffee um die Ecke. Die IT-Abteilung eines Unternehmens ist ausschließlich für die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zuständig (Hardware und Software). Genau genommen kann auch diese Leistung ausgegliedert werden. Der Mitarbeiter bekommt nur eine Zugangs-Hardware auf der ein VPN-Client ist und startet eine Session auf einem zentralen Server im Netz. Auf dem Arbeitsplatz liegen keine firmenrelevanten Daten mehr; diese liegen ebenfalls gesichert auf den zentralen Servern des Dienstleisters. Dies ist bereits heute keine Illusion mehr, die Firma SUN bietet hierfür bereits Lösungen an.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das Cloud Computing und das zentralisieren der Arbeitsplätze die nächsten Geschäftsmodelle der Systemhäuser sein wird; z.B. die lokal angesiedelten Systemhäuser. Große Anwendungen werden an weitere Cloud Computing-Dienstleister ausgelagert, z.B. an T-Systems, EDS, Amazon, Google, Microsoft um nur einige zu nennen.




