iPhone Apps der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten

Kurz vor Jahresschluß ist es im Markt der Applications (Apps) für das iPhone nochmal richtig zur Sache gegangen. Der Axel Springer Verlag hat im Dezember die beiden iPhone Apps für bild.de und welt.de online gestellt. Das besondere daran ist, dass der User diese gegen ein monatliches Entgeld bezahlen muss. Der Content ist jedoch auch weiterhin über den Webbrowser im iPhone kostenlos erreichbar; jedoch werden nicht alle Inhalte über diesen Weg erreicht. Bei den neuen Apps wurden alle derzeit möglichen Funktionen eingebaut: Push-Dienste für Sportmeldungen und durch das Schütteln des iPhones kann das Bild-Girl weiter ausgezogen werden. Und wenn ein User das große Abo gekauft hat, dann bekommt er auch bereits am Abend des Vortages die Printversion der Bild und Welt Kompakt als PDF-Dokument.

Ob die neuen Apps vom ASV erfolgreich werden, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Derzeit ist die App bei iTunes-Store noch auf den oberen Platzierungen. Die Frage wird jedoch sein, wieviele User auch den nächsten Monat wieder das Abo lösen werden. Schließlich gibt es den Content auch über die vielen anderen Nachrichtendienste im Netz. Wie viel ist es den Usern also wert, eine besondert gute und ausgefeilte Navigation zu erhalten? Um aber auch die anderen “Meinungen” zu bestimmten Themen zu erhalten, muss der User auch weiterhin die meist kostenlosen Apps oder die mobilen Browser-Versionen des Wettbewerbs aufrufen.

Bislang hatten aber nur die privatwirtschaftlichen Verlage den Markt mit den Apps belegt. Diese wurden in der Vergangenheit meist als kostenlose Versionen bereit gestellt. Erst der ASV versucht nun über den Weg der Apps ein Abo-Dienst bei den Usern zu etablieren. Im Dezember hat jedoch auch die ARD eine App für tagesschau.de für das erste Quartal 2010 angekündigt. Damit kam es vor Weihnachten dann zum großen Schlagabtausch zwischen dem ASV und der ARD bezüglich der App. Wettbewerbsverzerrung würde eine solche App der tagesschau.de darstellen. Die ARD kontert mit einem Eintrag im tagesschau-Blog. Und dann kommt auch noch die Ankündigung vom ZDF keine eigene App anbieten zu wollen.

Ich versuche mal meine Meinung hier zu formulieren. Da die Apps nur für ein Endgerät gelten, werden hier User-Gruppen im mobilen Internet ausgeschlossen. Diese müssen dann weiterhin den Content über die mobilen Browser lesen. Erst wenn alle gängigen Hersteller mit einer App berücksichtigt werden, kann von einer gleichmäßigen Versorgung gesprochen werden. Zwar hat im Internet das iPhone eine klare Marktbeherrschung, aber trotzdem gibt es keinen gleichmäßigen Zugang. Für jedes Endgerät muss eine eigene App erstellt werden. Es gibt bereits Frameworks, bei denen Apps für die gängigen Hersteller generiert werden, aber trotzdem ist eine Optimierung der Apps erforderlich. Diese eigenständige Erzeugung von Apps erhöht die Erstellungskosten, auch wenn es sich hier nur um einmalige Kosten handelt. Aber auch für weitere Funktionen muss immer wieder eine neue Version der App erstellt werden. Diese Erstellungskosten sind nicht zu vernachlässigen. Und diese Kosten sind über die Werbung, Abo-Kosten für die User oder über die Rundfunkgebühren im Fall der ARD zu bezahlen. Das ZDF will hier einen anderen Weg gehen. Es sollen für die Endgeräte optimierte mobile Webseiten erstellt werden. Damit kann nicht nur das bestehende CMS für die Web-Seiten weitergenutzt werden, sondern auch die Entwickler bleiben die gleichen und es müssen keine Spezialisten für die App-Entwicklung beauftragt werden. Ich würde behaupten, dass in einem Kostenvergleich der Weg vom ZDF günstiger ist. Auch können mit dem neuen html5, welches durch die mobilen Webbrowser schon weitestgehend unterstützt wird, viele Effekte für eine schnelle und angenehme Navigation erreicht werden.

Aber es ist natürlich klar, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk von der aktuellen Entwicklung im Netz nicht abgehängt werden darf. Wir erleben derzeit eine komplette Veränderung bei den Medien. In der Zukunft wird es keine saubere Trennung in der Nutzung Radio, TV, Print-Medien und Web-Sites geben. Die verschiedenen Medien-Typen werden über das IP übertragen. Und die öffentlichen Rundfunkanstalten müssen von der Politik einen Weg vorgegeben bekommen, der aber nicht von der Lobby der privatwirtschaftlichen Unternehmen vorgegeben werden darf. Und wir werden bis 2015 erleben, ob der Weg der Apps für die verschiedenen mobilen Endgeräte der richtige Weg ist. Meine persönliche Meinung ist, dass die optimierten Web-Sites der richtige und wirtschaftlichere Weg sind. Nur wenn ich mehr Funktionen haben will, dann sollten Apps gewählt werden und diese sollten, auch bei den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten, gegen ein einmaliges Endgeld abgegeben werden.

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