Revolution 2.0: Zukunftsforscher Prof. Peter Kruse

Derzeit boomen die solzialen Netze, wie facebook, studiVZ, schuelerVZ, xing usw. Auch die verschiedenen Microblogging Dienste, allen voran twitter, haben starke Zuwachsraten. Die Frage die sich daraus ergibt ist, ob dies nur eine Modeerscheinung ist, oder ob sich sich hier tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft ergeben?

Auch ich bin Mitglied in verschieden sozialen Netzen. Ich bin z.B. aktiv bei twitter vertreten und stelle dort machmal sinnloses und manchmal auch (so hoffe ich) interessante Dinge ein. Ich versuche über twitter interssante Dinge mitzubekommen (nicht zu finden), die ich sonst nicht so schnell erfahren hätte. Ich nutze twitter um auf dem laufenden zu bleiben, über Dinge, die mich interessieren. Das Sammeln von Informationen mache ich jedoch nicht über das Follown von Unternehmen, sondern ausschließlich über das Follown von Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Im Gegensatz zu vielen anderen Usern bei twitter sortiere ich ständig die Liste der Follower aus. Wenn ich nicht die erhoften Informationen mitbekomme werden Follower auch wieder entfollowed.

Ich bin sein kurzer Zeit auch bei facebook angemeldet. Ich habe aber derzeit noch keine Idee was ich dort soll und was ich dort machen kann. Eigentlich bekomme ich alle Informationen, die ich bei facebook bekomme auch über andere Kanäle mit. Ich habe den Mehrwert von facebook noch nicht erkannt. Dies mag auch daran liegen, dass ich über die alten Kanäle sehr gut vernetzt bin und noch nicht alle wichtigen Kontakte bei facebook sind (ob  sie jemals dort ankommen?). Auch stelle ich fest, dass über facebook mehr belanglose Dinge verbreitet werden. Über eMail und Chat werden dann doch die wertvollen Dinge ausgetauscht.

Über einen Link bei twitter bin ich auf einen interessantes Interview mit Prof. Peter Kurse gestoßen. Herr Kruse ist Unternehmensberater, Honora Professor in Bremen und beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Informationen in komplexen (intelligenten) Netzen. Das Interview, das u.a. auf carta.info mit Prof. Peter Kruse veröffentlicht wurde beschreibt eigentlich genau, wie ich mit den neuen sozialen Netzen umgehe: “Schwimmen, nicht filtern“. Ich muss jedoch zugeben, dass ich es zum Anfang komplett anders gemacht habe. Ich babe versucht alle Informationen aufzunehmen. Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass es zu viel ist und sich viele Informationen immer wieder wiederholen. Ich muss nicht alle Informationen rückwirkend lesen, sondern ich muss nur die Informationen aufnehmen, die mich zu diesem Zeitpunkt über twitter erreichen. Wenn es etwas wichtiges ist, wird die Information durch die Retweet-Funktion bei twitter über verschiedene Wege immer wieder an mich herangespült. Bei twitter folge ich somit einer großen Menge von Usern und nur bei wenigen schaue ich direkt in die Timeline, um auch die alten Tweets lesen zu können.

Aber auch eine andere Information in diesem Interview finde ich von der theoretischen Betrachtung sehr interessant. “Gatekeeper” werden immer unwichtiger. Da wirklich jeder im Internet publizieren kann (sei es über twitter, facebook oder sein eigenes Blog) werden die klassichen Medien immer unwichtiger. Und genau dies zeigt die derzeitige Situation der Print-Medien. Der Experte für ein bestimmtes Thema gerät unter Druck, weil es viele User im Netz gibt, die auch über das Thema schreiben. Wem wird mehr geglaubt? Der Masse von vielen Usern oder dem vermeintlichen Experten? Aus diesem Grund müssen die User im Netz die Kompetenz aufbauen Inhalte zu bewerten; der User muss Muster erkennen, welchen Aussagen er glauben kann und welchen nicht. Der User erhält die Verantwortung darüber, was er aus dem Netz nimmt. Die Verantwortung darüber, was er im Netz einstellt, hat der User per se. Doch was heißt dies für die Gesellschaft? Früher konnte sich die Gesellschaft an den Experten orientieren. Nur sie hatte die Möglichkeit Wissen zu publizieren. Heute kann es jeder. Wenn aber jeder Dinge publizieren kann, dann ist das Wissen im Netz der Durchschnitt aller User. Daraus ergibt sich auch für die Bildungspolitik für die Gesellschaft eine dringende Forderung: es muss vermittelt werden, wie aus der breiten Masse des Wissens im Internet die wahren Experten gefunden werden. Dies wird aber leider derzeit nicht in der Schule vermittelt. Und damit sind wir wieder bei einer These, die ich auch schon im letzten Jahr im September nach der Bundestagswahl 2009 geschrieben hatte “… und ich wünsche mir ein modernen Nachfolger des Bundespostministerium, ein Ministerium für neue Medien mit richtigen Kompetenzen #btw09“.

Update: zdf Nachtstudie vom 11.04.2010 mit Prof. Peter Kruse, sehr sehenswert (leider darf das zdf diese Videos nur 7 Tag ins Netz stellen)

Update II: auf der re:publica 2010 hat Prof. Peter Kruse einen sehr guten Vortrag über die Sozialen Netze gehalten. In dem Vortrag sind soviele interessante Aussagen über die Veränderungen der Gesellschaft durch das Netz, dass es sich unbedingt lohnt diesen einmal mit etwas mehr Zeit durchzuarbeiten.

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