Meine derzeitigen Lebensräume
Derzeit spielen drei Städte in meinem Leben eine wichtige Rolle – Kiel, Hamburg und Bonn. Bedingt durch Studium und Jobs sind natürlich von viele weitere Städte als Wohnorte oder temporäre Verweilorte hinzugekommen. In diesem Blogpost habe ich einmal ganz spontan alle Gedanken zu den derzeit wichtigsten Städten in meinem Leben aufgeschrieben. Die Idee hierzu kam mir, als ich durch Zufall auf den Imagefilm der Stadt Kiel gestoßen bin.
Die Landeshauptstadt Kiel
In der Nähe von Kiel wohne ich einem kleinen Dorf an der Kieler Förde (das Dorf ist zu klein, um ein eigenen Imagefilm zu erstellen – was sollen die auch von sich zeigen?). Kiel hat in meinem Leben immer eine schwierige Rolle eingenommen. Eine extrem hässliche Stadt mit einem wunderschönen Umland. Kiel war und ist in meinen Augen immer eine Arbeiterstadt und Marinestadt, aber in keine Dienstleistungs- oder Touristen-Stadt. Die alte ansässigen Schwerindustrien (Werften, Schiffsmotoren, usw.) arbeiten sich von Krise zu Krise, so dass einfach neue Kernbereiche geschaffen werden müssen. Der Stützpunkt der deutschen Marine wird seit der Wiedervereinigung 1989 strategisch immer unwichtiger und wird nach meiner Meinung nur durch die Politik im Rathaus von Kiel und der Landesregierung gehalten. Die Vergangenheit aus Werften und Marinehafen haben Kiel auch erst zu dieser extremen Hässlichkeit verholfen. Durch die starke Zerstörung im zweiten Weltkrieg musste schnell Wohnraum für die Einwohner von Kiel geschaffen werden. Da wurde natürlich nicht auf Schönheit sondern auf lebensnotwendige Punkte geachtet.
Erst seit 2005 scheint sich das Bild zu ändern und im Kieler Rathaus wurde erkannt, dass hier etwas schlummert, welches auch vermarktet werden kann. Seit dieser Zeit wird Kiel auch als die Segelstadt dargestellt und erfolgreich vermarktet. Dies macht auch durchaus Sinn, da in Kiel die größte Segelveranstaltung der Welt stattfindet, die Kieler Woche! Mit dieser Erkenntnis wurde dann auch am Kieler Stadtbild gearbeitet. Die seit 2000 geschaffen architektonischen Bauten sind für meinen Geschmack zumindest überzeugend und aus dem hässlichen Entlein wird hier und da etwas schönes. Und dann ist da auch noch die Kieler Uni mit der sehr guten medizinischen Fakultät und das Weltwirtschaftsinstitut. Beide genießen mittlerweile einen Weltruf. Ja, und dann ist das noch etwas Tourismus, der durch die zunehmende Bedeutung des Kreutzfahrterminals und der Fähren nach Skandinavien begründet sein dürfte.
Ich finde den Imagefilm über Kiel eigentlich etwas zu lang, aber trotzdem sehenswert ..
Die Frei und Hansestadt Hamburg
In Hamburg arbeite ich seit vielen Jahren, es ist eine schöne Stadt, aber wohnen möchte ich hier nicht mehr. Früher war es für mich ein Traum in Hamburg zu wohnen und ich habe diesen auch 1999-2000 verwirklicht. Hamburg ist keine große Metropole sondern nur eine große Stadt, die sich manchmal schon sehr wie eine Kleinstadt verhält. Ich finde der folgende Satz passt ganz gut zu den Hamburgern und ihrer Stadt: ‘Hamburg hat das Tor zur Welt, aber der Hamburger geht nicht durch, um neues zu entdecken’. Hamburg ist natürlich in der Welt bekannt und hat sehr namhafte Unternehmen und die Wirtschaftsleistung des Tiefseehafens ist beachtlich. Auch wer gern Shoppen geht, ist in Hamburg sehr gut aufgehoben. Für meinen Geschmack sind hier Eppendorf und die Hamburger City immer einen Besuch wert. Die Üblichen Shopping-Meilen und Shopping-Center sind vergleichbar zu den, z.B., im Ruhrgebiet – nichts besonderes.
Für meinen Geschmack leidet die Architektur in Hamburg in den letzten Jahren etwas am Einheitsbrei. Neu Büroraumtempel bestehen in der Regel immer aus viel Stahl und Glas. Der hanseatische Baustiel aus gemauerten Gebäuden findet man bei Neubauten leider nur noch sehr selten. In der Hafencity werden viele schöne Gebäude gebaut; hier haben sich namhafte Architekten austoben können, aber der hanseatische Stil ist nicht zu erkennen. Die Gebäude könnten auch im Mediahafen in Düsseldorf stehen oder in Frankfurt oder Dresden. Schade eigentlich, denn hier wird wirklich die Seele von Hamburg verwässert.
Auch leidet die Kultur in Hamburg in den letzten Jahren. Natürlich hat Hamburg vielmehr zu bieten als Kiel oder Bonn. Aber richtig weltklasse Kultur ist in Hamburg nicht mehr zu sehen. Große Künstler werden in Deutschland in Düsseldorf, München oder Berlin gezeigt. Hamburg hat den Kietz, die Musicals, die staatlichen Theater und viele kleine Veranstaltungsstätten. Bis auf die Musicals würde kein Besucher nach Hamburg kommen. Auch die in Hamburg so hochgelobten großen Stadt-Events wie Hafengeburtstag und Dom sind keine echte Reise wert. Der Hafengeburtstag ist ein großes Besäufnis mit Wurstverkauf. Und der Dom (früher habe ich echt gedacht, dass sei etwas ganz besonderes) ist ein Jahrmarkt, Kirmes, Rummelplatz mit Fahrgeschäften. Bleibt noch der Kietz. Die sündige Meile in Hamburg. Sie ist wirklich einmalig, weil hier soviel Elend und Kommerz und Unterhaltung auf einem Fleck sind. Und jeder sollte einmal durch diese Straße gelaufen sein, der Hamburg besucht (dies sollte ein Besucher aber ausschließlich am Abend machen – so bleibt einem zumindest der wahre Zustand der Bauten auf der Reeperbahn erspart)
Der Vorteil an Hamburg sind die Arbeitsmöglichkeiten, die Verkehrsanbindung und die Größe der Stadt. Ich bin gern in Hamburg, aber wie gesagt nur zu Besuch und nicht als Einwohner.
Die Bundesstadt Bonn
In Bonn bin ich geboren und bezeichne es immer noch als meine Heimat, obwohl ich dort nur sehr kurz gelebt habe. Aber irgendwie verbinde in mit der Stadt immer nur positives. Wenn ich mal wieder in Bonn bin, dann fühle ich mich wohl und bin zufrieden; wahrscheinlich weil im Umkreis von Bonn viele Verwandte und Freunde wohnen. Und ich liebe den Rhein und die Landschaft links und rechts vom Rhein.
Bonn ist ja wie die Jungfrau zum Kind zu einer weltweit bekannten Stadt geworden. Dadurch, dass es nach dem zweiten Weltkrieg zur Bundeshauptstadt geworden ist. Die merkt man auch noch heute. Eine schöne Stadt, die ungefähr so groß ist wie Kiel, aber im Gegensatz zu Kiel Unternehmen mit Weltruf beheimatet. Die Deutsche Telekom AG und die DHL / Deutsche Post. Beides sind ehemalige Staatsunternehmen und somit wird klar, warum dieser Standort als Unternehmenssitz gilt.
Seit dem die Bundesregierung jedoch in Berlin sitzt und in Bonn nur noch Außenstellen der Ministerien sitzen, ist Bonn wieder in einen tiefen Schlaf gefallen. Der offizielle Titel von Bonn ist seit dem Wegzug der Bundesregierung übrigens ‘Bundesstadt’. Es geht wieder gemächlich zu. Diplomatenfahrzeuge sind aus dem normalen Leben eigentlich verschwunden. Die alten Regierungsbauten sind fast alle anderen Zwecken zugeführt worden. Das schöne ist aber, dass Bonn immer noch vom Image der Bundeshauptstadt profitiert. Die Stadt versprüht immer noch etwas besonderes. Ansonsten ist Bonn heute in meinen Augen eine schöne Universitätsstadt mit einem unheimlich schönen Flair. Ich freue mich immer wieder, wenn ich nach Bonn komme!
One Comment to “Meine derzeitigen Lebensräume”
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Ich kann nicht alle Punkte für Hamburg unterschreiben, aber den Punkt mit der Architektur gehe ich mit.