4. Hamburger Barcamp

Am 12. und 13. November 2010 war es wieder so weit, der 4. Hamburger Barcamp wurde abgehalten. Und wie auch schon im letzten Jahr fand er in den Räumen von Otto statt. Die Organisation war wie im letzten Jahr perfekt. Wie immer ist die Versorgung der rund 400 Teilnehmen in den Pausen durch die Otto-Kantine besonders zu loben.

Da ich am 12. erst gegen 13:00 Uhr auf dem Camp sein konnte (im Office bei hamburg.de mußten noch Punkte erledigt werden) begann meine erste Session mit dem Mittagessen und Networking. Ein nicht zu unterschätzend wichtiger Punkt auf einem Barcamp. Aus diesem Grund sind die Sessions auch immer nur 30 Minuten lang, um genug Zeit zum Diskutieren und Fragenstellen zu  haben.

In meiner ersten echten Session am Freitag habe ich mir die buzzrank von SocialObjects angehört. Buzzrank ist ein neues Tool, um Social Media Aktivitäten im Netz zu beobachten. Um die Aktivität um eine Marke oder einen beliebigen Begriff beurteilen zu können sind folgende Schritte notwendig: Monitoring (twitter, facebook, youtube, blogs usw.), Analyse der Daten (wie wird über die Marke, den Begritt im Netz gesprochen – positiv, negativ, neutral ), Reporting (aus den gewonnenen Ergebnissen der Analyse werden die Daten zu Grafiken, Key-Playern, Cloudwords übersichtlich zusammen gefasst) und schließlich Kommunikation (Empfehlungen für die Kommunikation). Interessant ist, dass die Analyse der gewonnenen Daten über einen halbautomatischen Prozess analysiert wird. Halbautomatisch deswegen, weil ein Algorithmus in der Regel Sarkasmus und Ironie nicht erkennen kann. Oliver Wagner und Oliver Köster versprachen aber, dass der Algorithmus bis zu 60% der Aussagen richtig erkennt; der Rest muss wie in der Vergangenheit auch mit tatsächlichen Personen vorgenommen werden. Das Tool ist derzeit noch nicht online verfügbar, wird aber wahrscheinlich von mit Ende 2010 an den Start gehen. Gegenüber den anderen Marktteilnehmern in diesem Bereich wird  von einem vergleichbare günstigen Preis von 100 bis 1.000 €/Monat gesprochen. Von den Mitarbeitern von hamburg.de wird dieses Tool bestimmt auch evaluiert werden.

Meine nächste Session galt der agilen Produktentwicklung bei Xing. Hier hat Björn Waide den Prozess der Produktentwicklung bei Xing vorgestellt und wie die Zusammenarbeit zwischen Produktmanagement und Entwicklung organisiert ist. Ein äußerst interessanter Vortrag über die Orga bei Xing und die Umsetzung von horizontaler und vertikaler Organisationsstruktur. Die neue Struktur wurde bei Xing in den letzten 1,5 bis 2 Jahren eingeführt. Als Coach wurde der Verfasser vom Buch “Inspired – How to create products customers love”, Marty Cagan in die Firma geholt, der auch heute noch den Prozess tageweise betreut. Wer also mehr über die agile Produktentwicklung wissen will, dem ist das oben verlinkte Buch bei amazon.com empfohlen.

Nächste Session wieder ein anderes Thema: Business Punks in der Finanzwelt. Business Punks werden als Menschen bezeichnet, die eine komplett neue Idee in einer Branche einführen. Hier wurde der Aktienfond Investtor vorgestellt. Ein Aktienfond, der von den Mitgliedern des Fonds für den Kauf und Verkauf von Aktien in den Fond gestaltet wird. Um in den Fond einsteigen zu können, müssen 80 Anteile im Wert von 4.000 € gekauft werden – der Kauf erfolgt über eine normale Bank oder direkt an der Börse. Der Kauf von Aktien erfolgt dann über Abstimmungen der Fondbesitzer über Abstimmungen. Damit auch möglichst viele Teilnehmer an den Abstimmungen mitmachen, gibt es ein weiteren Bonus am Ende des Jahres. Der Bonus wird an die Teilnehmer ausgezahlt, die die meisten Punkte in den Abstimmungen erreicht haben. Eine interessante Anlagestrategie im Bereich der Schwarm-Intelligenz. Es ist aber klar, dass eine Gruppe aus Menschen, die keine besondere Vorkenntnisse in diesem Bereich hat, immer schlechter sein wird, als eine Vergleichsgruppe mit starken Kenntnissen in diesem Fachbereich.

Die letzte Session am Freitag ging um WebTools, wie z.B. Dropbox, Google-Apps usw. Eigentlich eine interessante Vorstellung, aber es wurden von Andreas Pilz leider nur die Videos zu den einzelnen Tools gezeigt. Wichtige Punkte wie SSL-Verschlüsselung, SLAs und Backup der Tools kamen leider etwas zu kurz.

Samstag (13.11.2010) begann um 09:00 Uhr mit einem sehr guten Frühstück mit Rührei, Croissant, Quarkspeise, Kaffee und frisch gepresstem O-Saft. Wie auch schon im letzten Jahr hat die Sessionplanung leider erst sehr spät angefangen und so kam es wieder bei der ersten Sessionauswahl für den Tag zu Problemen. In welches Thema und welchen Raum.

Da die Session SEO und Wettbewerbsanalyse hoffnungslos überfüllt war, habe ich mich für die Session acht Schritt zum Erfolg entschieden. Es wurden verschiedene Aussagen von sehr erfolgreichen Unternehmern gezeigt, warum sie erfolgreich geworden sind. Das Video kann bei TED angeschaut werden. Es sind folgende Punkte die irgendeiner Form zu einer bestimmten Zeit zusammen kommen müssen: serve, passion, work, focus, persist, ideas, good, push. Wenn einer dieser Punkte nicht vorhanden ist, dann kann man nicht wirklich erfolgreich werden. Wobei natürlich nicht wirklich jeder Punkt perfekt ausgeprägt vorhanden sein muss, aber er muss in irgend einer Form vorhanden sein.

In der nächsten Session ging es um Kanban. Es war eine der besten Sessions. Berd und Arne von it-agile haben den Vortrag als Kanban-Projekt durchgespielt und haben die verschiedenen Grundlagen damit spielerisch dargestellt. Wie wird ein Projektboard geführt, wie werden Regeln erstellt, wie wird ein Projekt im Rahmen von Kanban abgearbeitet. Da im Publikum auch einige Scrum-Anhänger waren, wurden natürlich die kritischen Fragen gestellt: wer macht die Aufgabenverteilung, wie werden Tickets geblockt, wie wird die Kommunikation mit dem Kunden vorgenommen usw. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kanban nur dann wirklich gut eingesetzt werden kann, wenn im Projektteam eine Eigenverantwortlichkeit auch gegenüber kritischen, schwierigen Punkten gegeben ist. Da die Tasks vom Team gepullt werden und die Prio durch das Team festgelegt wird, müssen alle im Team den nötigen Biss haben. Nur wenn dies gegeben ist, kann Kanban richtig gut funktionieren.

Die nächsten beiden Sessions, die ich besucht habe gingen um Recht. Rechtsanwältin Nina Diercks von der Kanzlei Rasch hat die Fallstricke des Urheberrechts im Bereich von Social Media beleuchtet. Nina verstand es eine trockne Materie sehr locker zu präsentieren. Die zweite Session ging um das Thema Jugend Medien Schutz Staatsvertrag (VMStV) und wurde von Sven Dietrich und Jens Pottblog gehalten. Sven beschäftigt sich sowohl beruflich als auch privat mit dem Thema. Er hat dargestellt, was ggf. ab dem ersten Januar 2011 gemacht werden muss, wenn der Vertrag in Kraft treten wird. Derzeit ist es Gott sei Dank noch nicht der Fall. Denn die Inhalte des VMStV sind mehr als absurd. Die Ministerpräsidenten der Länder haben im Vertrag entschieden, dass Webseiten vergleichbar zu Fernsehen, Radio und Kino behandelt werden sollen. Somit werden Sendezeiten und Freigaben für Jugendliche definiert. Und nun muss jede Seite entsprechend eingestuft werden. Dabei gibt es derzeit noch keine richtigen Vorgagen, wie dies passieren soll. Jens ging darauf ein, wie dieses Gesetzt noch verhindert werden kann. Es wird nur gültig, wenn alle Landesparlamente dies ratifiziert haben. Sein Tipp ist und jeder sollte diesen beherzigen, dass die entsprechenden Volksvertreter in den Landtagen dazu befragt werden soll, um sie noch umzustimmen.

Der 4. hamburger Barcamp war wieder ein voller Erfolg. Gute Sessions und gute Gespräche mit den diversen Besuchern. Ich hoffe, dass es auch in 2011 wieder ein Barcamp in Hamburg gibt! Vielen Dank auch nochmal an das Orgateam des Barcamp – ihr habt wieder eine gute Veranstaltung auf die Beine gestellt – Vielen Dank!

One Comment to “4. Hamburger Barcamp”

  1. Arne Roock 28 November 2010 at 16:22 #

    Hallo Jörg,

    danke für das Lob zur Kanban-Session:-)

    Dass Kanban nur funktioniert, wenn es Eigenverantwortlichkeit im Team gibt, stimmt zweifellos.

    Allerdings bin ich davon überzeugt, dass man ohne diese Eigenverantwortlichkeit immer nur mäßig erfolgreich sein wird und durchschnittliche Qualität abliefert. Ganz gleich, ob man sich an Scrum, Kanban oder was auch immer orientiert.

    Viele Grüße,
    Arne


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